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Der Weg zur Genesung – und wie man die Aussicht genießt!

von Lova Chechik

Unser Autor mit seinem Bruder, Yasha, auf dem ersten Platz des A Kurses beim OMM 2018 in den Black Mountains

„Radfahrer vs. Bus: Windschutzscheibe eingeschlagen“ steht auf einer Tafel unter meinem Namen. Vermutete Verletzungen: „Kopfverletzung, ? Becken, Oberschenkel #“ – keine Ahnung, was das bedeutet, aber es klingt nicht gut.

Vier Stunden und mehrere CT-Scans später die Erleichterung: Nichts war gebrochen! Es schien, als wäre ich mit einem wunden Kopf und Schnitten an den Ellbogen davongekommen. Der Helm hatte ein paar Risse, also musste ich einen Schlag auf den Kopf bekommen haben, aber ich war zuversichtlich, dass ich in einer Woche oder so wieder ein normales Leben führen würde.

Zuerst möchte ich euch ein wenig mehr über mich erzählen: Nachdem ich mich im Alter von 15 Jahren vom Orientierungslaufsport zurückgezogen hatte, entdeckte ich erst als 20-jähriger Student in der flachen Landschaft von Oxfordshire das Laufen.

Mein Bruder stolperte damals über vergünstigte OMM Anmeldung, ich ließ mich aber nicht dazu überreden, und das war es erst einmal. Ein paar Jahre und OMMs später zog ich nach Sheffield, das praktischerweise direkt an den Peak District grenzt und wo es eine halbwegs anständige Community an Geländeläufern gibt. Ich nahm an ein paar Rennen teil und lernte die Bob-Graham-Runde kennen. Diese findet in einem viel entspannteren Tempo statt als man es von Rennen kennt, so dass man tatsächlich Zeit hat, sich umzuschauen und zu genießen – ein richtiger Berglauf.

Ich war süchtig.

Meine erste richtige Saison war 2018-2019. Meine Freunde empfohlen mir immer mehr Herausforderungen, in die ich mich stürzen sollte. Britische Meisterschaften, englische Meisterschaften, Staffelläufe, Bergmarathons, Lakeland Classics, klassische Runden und und und.

Meine Antwort war: „Ja“… und was für eine Saison war das! 3 Bergmarathons, 2,5 klassische Runden, 6 lange Lakeland-Rennen und britische Meisterschaften (und Staffeln) ist das, was man „ein paar Rennen zu viel“ nennen könnte.

Niemand liest gerne Listen mit Namen von Rennen, also werde ich euch nicht mit den Details langweilen. Gegen Ende des Jahres klagte ich aber über Müdigkeit. Es stellte sich heraus, dass ich einen niedrigen Eisenwert hatte und ich glaube, mein Körper sagte mir, dass ich es generell übertrieb.

Die "Moot Hall", eine besondere Kulisse für ein weiteres Häkchen auf der Liste

Ich tat so, als würde ich aus meinen „Fehlern“ lernen und begann, mich auf 2020 zu freuen. Mein Körper zwang mich, mich über den Winter auszuruhen (durch eine Brustinfektion), aber ich war wieder auf den Beinen, als die Lockdowns kamen.

Glücklicherweise sind meine beiden Mitbewohner und ich nicht nur Läufer, sondern auch viel mit dem Rad unterwegs und wir hatten den Peak District vor der Haustür. Ich persönlich blicke mit positiven Gefühlen auf den ersten Lockdown zurück, aber ich schätze die privilegierte Position, in der ich mich befand. Das schöne Wetter, die ruhigen Straßen und die Regel „ein Ausflug pro Tag“ bedeuteten, dass wir viele lange Läufe und Fahrten genießen konnten.

Mit der Pandemie wurde mir klar, dass ich das „Draußensein“ und das Erkunden sehr genieße. Es überraschte mich, dass sich einige Leute so sehr an Rennen orientierten, dass die Absagen ihnen jede Motivation raubte, rauszugehen und zu laufen. Glücklicherweise konnte ich es immer noch genießen, rauszugehen und das Beste aus dem Wetter und dem Peak District zu machen.

Leider haben alle guten Dinge ein Ende und Anfang Juli wurde ich auf meinem Rad von einem Bus angefahren. Ich erinnere mich vage an einen Krankenwagen und daran, dass ich mit einer Halskrause auf der Unfallstation lag.

im 2018 Peak District, Foto Credit: Dave Keyworth

Als ich von der Notaufnahme nach Hause kam, war ich naiv optimistisch, dass ich mich schnell erholen würde. Ich hatte schon von Gehirnerschütterungen gehört und angenommen, dass die Müdigkeit und der Gedächtnisverlust nach ein paar Tagen abklingen würden. Eine Woche später war der Bluterguss größtenteils verschwunden, aber ich verbrachte immer noch die meiste Zeit im Bett und war wie benebelt. Einen Monat später wurde mir klar, dass die Dinge nicht einfach wieder zur Normalität zurückkehren würden. Eine 10-minütige Joggingrunde würde mich für ein paar Stunden ins Bett verfrachten, ich hatte immer noch Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, und das Betrachten von Bildschirmen machte mich müde.

Ich beschloss, mich auf das Spazierengehen zu beschränken, aber selbst das laugte mich anfangs aus. Langsam, aber sicher gewöhnte sich mein Körper an die Bewegung und ich war in der Lage, 30 bis 40 Minuten am Tag zu gehen.

Nachdem ich mit Therapeuten und Freunden gesprochen hatte, stellte sich heraus, dass das Post-Concussion-Syndrome auch als leichtes Schädel-Hirn-Trauma bekannt ist (was viel ernster klingt). Es gibt vage Definitionen und Zeiträume, aber Müdigkeit und Kopfschmerzen, die über ein Jahr lang anhalten, sind nicht ungewöhnlich.

Eine ungewisse Prognose ist nie einfach, aber das Wissen, dass die meisten Menschen vollständig genesen, war tröstlich. Ich war nun positiver gestimmt, konnte aber immer noch nicht arbeiten oder Sport treiben. Also suchte ich nach anderen Möglichkeiten, meine Zeit zu nutzen.

Da es Spätsommer war, bemerkte ich auf meinen Spaziergängen Apfelbäume, einige auf öffentlichem Grund, andere nicht so direkt. Ich kam oft mit Säcken voller Äpfel nach Hause, manchmal bat ich um Erlaubnis, manchmal nahm ich sie einfach mit. Es gab viel Apfelstreusel und Gläser mit Chutney nehmen immer noch einen beträchtlichen Teil meiner Regale ein. Ich habe erstellte sogar eine Landkarte mit Apfelbäumen, Beeren und Bärlauch, um mich selbst zu beschäftigen.

Diese Besessenheit ging schließlich vorbei und ich machte mit Benchmarks weiter. Das sind kleine Markierungen, die auf vielen Mauern und Gebäuden eingraviert sind und bereits in den 1830er Jahren zu Vermessungszwecken verwendet wurden. Nicht alle kartierten Benchmarks existieren noch, aber einen zu finden, verschaffte mir ein kleines Gefühl der Befriedigung. Sie waren etwas, wonach ich auf meinen Wanderungen suchen konnte. Es gibt sogar verschiedene Arten von Grenzsteinen.

Manchmal muss man sich etwas mehr Zeit nehmen und die Aussicht genießen

Als Nächstes kamen die Hydranten; vielen Freunde habe ich beim Spazierengehen davon erzählt und sie gelangweilt, da bin ich mri sicher. Wenn ihr einmal wisst, wie einer aussieht, seht ihr sie überall!

Mit der Zeit wurden meine Spaziergänge immer länger. Mir wurde eine App namens „Turfs“ empfohlen, eine Mischung aus Geo-Caching und Pokemon Go. Man streift umher, sammelt virtuelle Kontrollpunkte, die Turfs genannt werden, und verdient sich so Punkte. Andere können einem die Reviere klauen, sodass ein Wettbewerb entsteht und man sehen kann, wann andere „Turfler“ unterwegs sind. Ich wagte mich auf der Suche nach diesen sagenumwobenen Revieren an neue Orte und habe ein paar Freunden selbstgefällig Reviere gestohlen.

Aufgrund der eingeschränkten Bewegung und des Lockdowns ging meine Backleistung durch die Decke. Alle paar Wochen backte ich Kekse oder Kuchen und machte eine Tour zu all meinen Freunden in der Nähe, um Backwaren zu liefern. Es war eine nette Ausrede, um sich mit Freunden zu treffen, ohne Pläne machen oder sich zu einem Lauf verpflichten zu müssen – und ich bin sicher, dass sie den Kuchen zu schätzen wussten.

Wenn ich heute irgendwo auftauche, hofft  jeder im Stillen, dass ich Kuchen mitgebracht habe.

Entdeckt: ein Benchmark

Und jetzt, wo ich in der Lage bin, längere Spaziergänge zu machen, kann ich zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen zurückkehren: den Peak District zu erkunden.

Mit Hilfe von etwas, das ich das „magische rosa Buch“ nenne, habe ich eine neue Möglichkeit, Aufregendes zu finden, ohne dass ich zu weit gehen muss. Dieses Buch enthält eine Fülle von Informationen über die örtliche Gegend, mit Details zur Geschichte, Steinkreisen, Flugzeugwracks, Gedenkstätten und und und.

Es war ein praktischer Leitfaden für die Planung von Wanderungen mit meinen Freunden und ermutigte uns, Orte zu erkunden, die wir bisher noch nicht besucht haben. Ich bin sicher, dass man nicht alle dieser Informationen online finden kann. Ein Bach mag zwar vielleicht nirgendwohin führen, ist also vielleicht nicht der Traum eines Läufers, aber mit Hinweisen zu Tauchbecken und Steinkreisen sorgt er für einen perfekten Spaziergang.

So hart es auch war, nicht laufen zu können, ich fand Wege, mich zu beschäftigen und zu unterhalten. Es gibt viele Dinge zu erkunden, für die man keine langen Strecken zurücklegen muss. Wenn ihr nicht in der Lage sind, normal zu trainieren, konzentriert euch weniger darauf, was ihr nicht tun könnt. Findet stattdessen die kleinen Dinge, die ihr tun könnt – und hoffentlich machen sie die Genesung zu einer leichteren Reise.

Gesund zu werden ist für mich immer noch ein hartes Stück Arbeit. Eine gewisse Kraft scheint zurückzukehren, aber es ist schwer, konkrete Pläne zu machen. Wenn Körper und COVID es zulassen, ist der Saunders Mountain Marathon mein derzeitiges „Comeback“-Rennen. Ich zeige meiner 15-jährigen Schwester gerade den Sport, den ich so sehr liebe und hoffe, dass mein Körper bei ihrem Tempo mitgehen kann. Von da an bin ich froh, die Rennen auf die lange Bank zu schieben und mich in den Hügeln wieder zurechtzufinden. Wir werden sehen, wo ich im Oktober stehe, aber ich hoffe, wir sehen uns auf dem Overnight Camp beim OMM in Großbritannien.

Vielen Dank an Lova für diesen motivierenden und offenen Bericht über seinen Weg durch den Lockdown und seine Verletzung, zurück in die Berge.

Normalerweise findet man ihn in der Küche, wo er Vorspeisen aus Sauerteig kreiert oder über Karten von esoterischen Peak-District-Sehenswürdigkeiten brütet, und gelegentlich auf einem OMM-Podium mit seinem Bruder Yasha.